Fokus

Scharfe Bilder sind meistens der erste Wunsch, wenn man anfängt zu fotografieren. Dabei geht es aber nicht nur darum, dass irgendetwas scharf ist, sondern genau das, was dir im Bild wichtig ist. Der Fokus bestimmt, worauf der Blick fällt, was betont wird und was eher im Hintergrund bleibt. Je besser du verstehst, wie du den Fokus gezielt setzt, desto bewusster kannst du gestalten. Deine Kamera nimmt dir dabei vieles ab, aber manchmal lohnt es sich, selbst einzugreifen.

Autofokus richtig anwenden

Die meisten Kameras stellen automatisch scharf, sobald du den Auslöser leicht drückst. Das klappt in vielen Situationen ziemlich gut. Aber je nachdem, ob sich dein Motiv bewegt oder stillsteht, gibt es verschiedene Autofokus-Modi. Bei manchen Kameras heissen sie zum Beispiel Einzel-AF oder kontinuierlicher AF. Du musst dir die Begriffe gar nicht alle merken. Wichtig ist nur: Wenn du ein stilles Motiv fotografierst, sollte der Fokus einmal scharfstellen und dann so bleiben. Wenn sich dein Motiv bewegt, zum Beispiel ein Mensch beim Gehen, dann sollte die Kamera die Schärfe währenddessen anpassen.
Wenn du dir bei deiner Kamera nicht sicher bist, lohnt sich ein kurzer Blick ins Menü oder ins Handbuch. Oder du probierst einfach mal aus, welcher Modus für dich am besten funktioniert. [1]

Moderne Kameras können sogar gezielt auf Tier- oder Vogelaugen fokussieren (grünes Quadrat = Fokuspunkt).
f/6.3 | 1/1000 sek | ISO 500 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Bei Tieren in Bewegung, wie diesem Kuhreiher im Flug, ist der Autofokus sehr hilfreich.
f/6.3 | 1/2000 sek | ISO 640 | 530 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Den Fokuspunkt gezielt setzen

Was viele am Anfang gar nicht wissen: Du musst der Kamera nicht überlassen, wo sie scharfstellt. Die meisten Kameras bieten dir die Möglichkeit, den Fokuspunkt selbst zu verschieben. So kannst du zum Beispiel auf das Auge eines Menschen scharfstellen oder auf ein kleines Detail, das dir wichtig ist. Wenn die Kamera immer nur die Mitte nimmt, kann es passieren, dass dein Hauptmotiv gar nicht richtig im Fokus liegt.
Probier mal aus, den Fokuspunkt selbst zu setzen und das Bild danach zu gestalten. Das wirkt oft viel ruhiger und bewusster. [2]

Bei diesem vorbeifliegenden Alpenschneehuhn habe ich mich ganz auf den Autofokus verlassen. Mit gezieltem Fokuspunkt wäre es vermutlich scharf geworden. Jedoch entstand durch die grosse Brennweite und die hastige Bewegung des Objektivs auch noch etwas Bewegungsunschärfe.
f/5.6 | 1/1250 sek | ISO 800 | 255 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Bei Motiven wie diesem Neuntöter im Gebüsch verfehlt der Autofokus oft – ein gezielter Fokuspunkt erhöht die Trefferquote.
f/6.3 | 1/1000 sek | ISO 800 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Wie der Fokus die Bildwirkung verändert

Die Stelle im Bild, die scharf ist, zieht automatisch die Aufmerksamkeit auf sich. Wenn du zum Beispiel bei einem Porträt die Augen scharf stellst, wirkt das Bild direkt lebendiger. Wenn dagegen der Hintergrund im Fokus liegt und das Gesicht unscharf bleibt, fühlt es sich oft unruhig oder ungewollt an.
Auch die Schärfentiefe, also wie viel im Bild insgesamt scharf ist, beeinflusst die Stimmung. Ein scharfes Detail mit einem weichen Hintergrund wirkt ruhig und klar. Wenn dagegen alles gleich scharf ist, kann es schnell unübersichtlich wirken. Auch das hängt mit dem Fokus zusammen, und mit der Blende, über die du ja schon etwas gelesen hast.
Wenn du das mal ausprobieren möchtest, nimm einfach ein kleines Motiv und stell es mit verschiedenen Fokus-Einstellungen und Blenden in den Mittelpunkt. Diese Übung macht sofort sichtbar, wie stark sich die Bildwirkung verändert. [2]

Hier sollte der Fokus weder auf dem Schilf noch auf dem Hintergrund liegen, sondern auf dem Schmetterling. Durch die offene Blende verschwimmen Hintergrund und Schilf sanft.
f/2.8 | 1/320 sek | ISO 1600 | 105 mm
Sony a7 IV | Sigma 105/2.8 DG DN Macro Art

In der Makrofotografie sind solche weichen Hintergründe, bei denen nur das Hauptmotiv scharf ist, der Traum vieler Fotografen.
f/3.2 | 1/400 sek | ISO 1250 | 105 mm | Focus Stacking
Sony a7 IV | Sigma 105/2.8 DG DN Macro Art

Manuell fokussieren

Manchmal kommt die Kamera mit dem Autofokus an ihre Grenzen. Zum Beispiel bei schlechtem Licht oder wenn du durch eine Glasscheibe fotografierst. Dann kann es sinnvoll sein, den Fokus selbst einzustellen. Viele Kameras und Objektive haben dafür einen Schalter oder eine eigene Einstellung. Das klingt erstmal aufwendig, gibt dir aber volle Kontrolle. Besonders bei statischen Motiven, etwa Stillleben oder Landschaften, kann das eine gute Option sein.
Du kannst dir das ein bisschen vorstellen wie ein Nachjustieren mit der Hand. Es dauert vielleicht einen Moment länger, aber du bestimmst ganz genau, was scharf wird und das merkt man oft im Ergebnis. [3]

Besonders in der Makrofotografie empfiehlt sich manuelles Fokussieren. Ein Tipp: Zuerst automatisch aufs Motiv fokussieren und anschliessend feinjustieren.
f/4.5 | 1/400 sek | ISO 640 | 105 mm | Focus Stacking
Sony a7 IV | Sigma 105/2.8 DG DN Macro Art

Bei schlechtem Licht, etwa in der Abenddämmerung oder in der Nachtfotografie wie bei Sternenhimmel oder Polarlichtern, sollte man ebenfalls manuell fokussieren.
f/3.2 | 1/100 sek | ISO 640 | 32 mm
Sony a7 IV | Tamron AF 28-200mm f/2.8-5.6 Di III RXD

Weiterführende Ressourcen

Nigel Danson. (2023, November 12). Are you Focusing Correctly? [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=G16E7OQfZ6A

Quellen

  1. Zangl, C. (2024b, June 9). Autofokus anwenden. Digitipps Fotografie. https://www.digitipps.ch/fototechnik/autofokus-anwenden/
  2. Thoma, M. (2025a, April 7). Kamera Fokus einstellen: Grundlagen bis Profi-Techniken. MT Foto Journal. https://journal.markusthoma.com/kamera-fokus-guide/
  3. Manueller Fokus | ZEISS fotografie. (n.d.). https://www.zeiss.ch/consumer-products/de/fotografie/content/manuelles-fokussieren-mit-af-kamerasystemen.html

Entdecke weitere Artikel…

Bildaufbau
Licht
Technik & Ausrüstung