Bildaufbau

Manchmal spürst du schon beim Auslösen, dass ein Foto irgendwie stimmig ist. Und manchmal weisst du, dass es nicht “ganz passt”, aber du kannst nicht genau sagen warum. Oft liegt der Unterschied im Bildaufbau. Also darin, wie du ein Bild gestaltest – wo du dein Motiv platzierst, welche Linien du aufgreifst und aus welchem Blickwinkel du fotografierst. Es geht nicht darum, starre Regeln zu befolgen, sondern ein Gefühl für den richtigen Moment und die richtige Anordnung im Bild zu entwickeln. Dabei helfen dir ein paar einfache Prinzipien, die du ganz nebenbei lernen kannst.

Drittelregel und goldener Schnitt

Die sogenannte Drittelregel ist eine einfache Methode, um Bilder harmonisch wirken zu lassen. Dabei stellst du dir das Bild in neun gleich grosse Felder aufgeteilt vor, wie ein Gitter mit zwei waagerechten und zwei senkrechten Linien. Wenn du dein Hauptmotiv auf einen dieser Schnittpunkte legst, wirkt das Bild oft ausgewogener, als wenn alles genau in der Mitte sitzt.

Nach der Drittelregel platzierte ich den aus dem Schnee ragenden Kopf des Alpenschneehuhns nicht in der Mitte, sondern in der Nähe des oberen rechten Schnittpunkts.
f/6.3 | 1/1600 sek | ISO 1250 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Hier ist die Anwendung der Drittelregel nicht ganz so eindeutig. Im Prinzip befinden sich die näheren, dunklen Berge im unteren Drittel, dahinter im mittleren Drittel die weiter entfernten, helleren Berge und das obere Drittel wird vom Himmel eingenommen. Auf der rechten senkrechten Linie liegen ungefähr zwei markantere Bergspitzen.
f/5.6 | 1/800 sek | ISO 2500 | 200 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Ähnlich funktioniert der goldene Schnitt. Der ist ein bisschen mathematischer, aber vom Prinzip her ähnlich: Motive, die leicht aus der Mitte gerückt sind, wirken oft natürlicher und spannender. Probiere das ruhig mal aus. Am Anfang hilft dir dabei die Gitteranzeige, die du auf dem Kameradisplay einblenden kannst. [1]

Beispiele für Motive, die ich bewusst im goldenen Schnitt platzierte:

f/6.3 | 1/1000 sek | ISO 2000 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

f/5.6 | 1/800 sek | ISO 2000 | 43 mm
Sony a7 IV | Tamron AF 28-200mm f/2.8-5.6 Di III RXD

f/6.3 | 1/800 sek | ISO 100 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

f/6.3 | 1/1000 sek | ISO 1000 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Linien und Formen im Bild

Unser Blick folgt automatisch Linien. Das kannst du beim Fotografieren gezielt nutzen. Wege, Zäune, Geländer oder auch Lichtkanten können dein Bild führen und ihm Tiefe geben. Linien, die ins Bild hineinlaufen oder sich kreuzen, lenken den Blick zum Motiv. Auch Formen, zum Beispiel Kreise oder Dreiecke, können helfen, Struktur ins Bild zu bringen.
Wenn du draussen unterwegs bist, schau dich einfach mal bewusst nach solchen Linien um. Oft entdeckt man sie erst auf den zweiten Blick, aber sie können ein ganzes Bild zusammenhalten. [2]

Einige Beispiele zu verschiedenen Kompositionen, inklusive der Drittelregel und des goldenen Schnitts, die du bereits kennengelernt hast.

Diese Diagonale ist ein eher ungewöhnliches Beispiel, aber der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
f/6.3 | 1/1600 sek | ISO 500 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Pyramidenähnliche Formen in der Natur, wie bei dieser Bergspitze, sind ein spektakulärer Anblick.
f/6.3 | 1/1000 sek | ISO 1000 | 200 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Langlaufloipe wird in der Distanz kleiner und schafft Tiefe
iPhone 13 Pro

Bachränder bilden Linien und schaffen Tiefe
iPhone 13 Pro

Vordergrund und Hintergrund nutzen

Ein Foto wirkt oft interessanter, wenn es nicht nur aus einem einzigen, freigestellten Motiv besteht. Elemente im Vordergrund oder Hintergrund schaffen Tiefe und geben deinem Bild Raum. Du kannst zum Beispiel einen Ast, ein Geländer oder eine Fensterscheibe im Vordergrund mit ins Bild nehmen, um deinem Motiv einen Rahmen zu geben. Auch ein unscharfer Hintergrund kann helfen, das Hauptmotiv noch stärker hervorzuheben.

Lärchenwald im Vordergrund, See in der Mitte, Gebirgskette im Hintergrund
iPhone 13 Pro

Alpenrose im Vordergrund, Pflanzen und Bergwald in der Mitte, Gebirgskette im Hintergrund
iPhone 13 Pro

Purpur-Enzian im Vordergrund, dahinter verschwommene Gebirgskette
iPhone 13 Pro

Eiskristalle im Vordergrund, dahinter Landschaft mit Wäldern und Seen
iPhone 13 Pro

Wichtig ist, dass du den Hintergrund nicht vergisst. Gerade bei Porträts oder Strassenfotos kann ein unruhiger oder ablenkender Hintergrund schnell die ganze Wirkung stören. Frag dich also ruhig: Was passiert hinter meinem Motiv? Passt das zur Stimmung oder wäre ein anderer Winkel vielleicht besser? [3]

Hintergrund lenkt vom Motiv ab und wirkt ein wenig unruhig
f/6.3 | 1/640 sek | ISO 1600 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Verschwommener Hintergrund wirkt ruhiger
f/6.3 | 1/500 sek | ISO 1000 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Perspektive bewusst wählen

Wir neigen dazu, alles auf Augenhöhe zu fotografieren. Aber genau da lohnt es sich, mal zu experimentieren. Ein Foto aus der Froschperspektive, also von ganz unten, kann ein Motiv grösser und beeindruckender wirken lassen. Aus der Vogelperspektive, also von oben, bekommst du einen ganz anderen Überblick und oft spannende Muster oder Strukturen.
Schon kleine Veränderungen im Standpunkt können ein Bild komplett anders wirken lassen. Versuch es ruhig mal mit einem Perspektivwechsel, bevor du auslöst. [4]

Froschperspektive mit Spiegelungen im Wasser
iPhone 13 Pro

Froschperspektive mit Spiegelungen im Wasser
iPhone 13 Pro

Froschperspektive auf Baum
iPhone 13 Pro

Froschperspektive auf Felsen
iPhone 13 Pro

Vogelperspektive auf Tempelanlage
iPhone 13 Pro

Vogelperspektive auf Lagunen
iPhone 13 Pro

Mit leerem Raum arbeiten

Leerer Raum, also Bereiche im Bild, in denen auf den ersten Blick nichts passiert, kann sehr kraftvoll sein. Er gibt deinem Motiv Luft zum Atmen und lässt es stärker wirken. Das nennt man negativen Raum. Besonders bei ruhigen, reduzierten Motiven oder in der Naturfotografie kann das Bild so viel klarer und ruhiger wirken.
Du musst nicht jeden Zentimeter im Bild mit etwas füllen. Manchmal ist es gerade der freie Raum, der Spannung erzeugt oder das Motiv besonders betont. Wenn du Lust hast, such dir mal ein einfaches Motiv und fotografiere es einmal mit und einmal ohne viel Umgebung drumherum. Das Ergebnis spricht oft für sich. [5]

Eisvogel auf Ast, viel leerer Raum hebt das Motiv hervor
f/6.3 | 1/2000 sek | ISO 400 | 600 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

See im Morgennebel, leerer Raum verstärkt Ruhe und Stimmung
f/6.3 | 1/1000 sek | ISO 320 | 285 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS

Weiterführende Ressourcen

Jamie Windsor. (2024, April 25). 8 IMPORTANT composition tips for better photos [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=VUg33pNa5zE

Quellen

  1. Konrad. (2025, July 7). Drittelregel – Goldener Schnitt: 2 simple Wege für bessere Fotos. fotografieren-lernen.org. https://fotografieren-lernen.org/drittelregel-und-goldener-schnitt/
  2. EK, F. L. R. (n.d.). Linien, Formen & Flächen, Foto Löffler Ringfoto e.K. in Freiburg im Breisgauhttps://ringfoto-loeffler.de/linien-formen-und-flaechen?srsltid=AfmBOorQ44lFi7lEWU4AJEV2X2_Dd9rXAzlRXg8Whd36PrY59kjTe5P3
  3. Orth, F. (2025, January 14). Bedeutung von Vordergrund und Tiefe in der Landschaftsfotografie. Florian Orth Photography. https://www.florianorth.de/bedeutung-von-vordergrund-und-tiefe-in-der-landschaftsfotografie/
  4. Pixolum. (2021b, November 15). 8 Kamera Perspektiven für die optimale Bildwirkung. Fotoblog – Fotografie Tipps und Tutorialshttps://www.pixolum.com/blog/fotografie/8-kamera-perspektiven-fuer-die-optimale-bildwirkung
  5. Poeck, L. (2024, October 1). Der negative Raum: Die unsichtbare Kunst des leeren Raums in deiner Fotografie. IG Fotografie. https://ig-fotografie.de/fotografieren-lernen/negative-raum-fotografie

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