Lange schon war es ein Traum von mir, Schneehühner in den verschneiten Bergen während des Winters beobachten zu können. Bisher war es mir nur möglich, diese während des Sommers oder Herbsts zu beobachten – und auch dann nur aus weiter Distanz. Kein Wunder, denn diese Vögel sind durch ihr weisses Winterkleid bestens im Schnee getarnt. Nicht selten werden sie von Wintersportlern übersehen und leider immer wieder aus ihrem Lebensraum verscheucht. Auch mir ist es genau gleich ergangen, als ich auf einem offiziellen Winterwanderweg unterwegs war.

weibliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/2000 sec | f/6.3 | ISO 800 | 600 mm
Völlig unerwartet entdeckte ich vor mir im Schneegestöber ein Schneehuhn. Glücklicherweise noch früh genug, sodass ich verhindern konnte, es direkt aufzuscheuchen. Damit hätte ich nie gerechnet, vor allem angesichts der extremen Wetterbedingungen. Dementsprechend wenig aktiv war das Schneehuhn auch und blieb an Ort und Stelle stehen, wo mir meine ersten Fotos im Schnee gelangen.
Nach dieser ersten Begegnung wollte ich noch im selben Winter weitere fotografieren – und dies mit Erfolg. Nachdem ich einen Tipp zu einer Location bekam, machte ich mich auf den Weg in die Berge. An diesem Tag war es schön sonnig. Lediglich ein paar wenige Wolken verdeckten von Zeit zu Zeit die Sonne. Da es viel Schnee hatte, kam ich nur langsam voran. Glücklicherweise hatte ich Schneeschuhe dabei, was mir den Aufstieg um einiges erleichterte. Mit meinem Feldstecher spähte ich die Umgebung auf der Suche nach geeigneten Plätzen ab.

verschneite Lärche mit Schleierwolken im Hintergrund // 1/3200 sec | f/6.3 | ISO 500 | 455 mm
Ich vermutete, dass sich die Schneehühner im Schutz von kleinen Bäumchen wie der Lärche oben im Bild aufhalten würden. Lange Zeit suchte ich entlang des Wanderwegs nach ihnen, doch ohne Erfolg.

Endlich konnte ich ein Schneehuhn entdecken. // 1/3200 sec | f/6.3 | ISO 500 | 205 mm
Als ich durch den Schnee stampfte, hörte ich plötzlich ein kehliges Gurren – der typische Ruf der Schneehühner. Da wusste ich, dass sich ganz in der Nähe eines befinden musste. Und tatsächlich, meine Vermutung war richtig. Unter einem der vielen Bäumchen sass ein Schneehuhn. Siehst du es auch?



Vergleich der Fotos bei Sonne (rechts), Wolke (Mitte) und Übergang von Wolke zu Sonne // 1/3200 sec | f/6.3 | ISO 500 | 455 mm
Also entschied ich mich, mich in den Schnee zu legen, und machte ein paar Aufnahmen des Schneehuhns unter der Lärche. Je nach Lichtsituation entstanden ganz unterschiedliche Fotos, wie die Serie oben anschaulich darstellt. Nach einer Weile kam neben dem Weibchen auch noch das Männchen hinter dem Hügel hervor. Im Gegensatz zum Weibchen besitzt es einen auffälligen roten Überaugenwulst.

männliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/2000 sec | f/6.3 | ISO 800 | 600 mm
Dieses Wissen über das Licht nutzte ich im Bild oben: Als die Sonne gerade dabei war, hinter einer Wolke hervorzukommen, entstand diffuses Licht. Zusätzlich befand sich das Schneehuhn im Halbschatten.

weibliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/3200 sec | f/6.3 | ISO 1000 | 600 mm
Langsam näherte ich mich den Schneehühnern unbemerkt weiter an. Schliesslich gelang mir obiges Porträt des Weibchens.


Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/3200 sec | f/6.3 | ISO 400 | 600 mm; 1/3200 sec | f/6.3 | ISO 500 | 600 mm
Nach langem Warten bewegten sich die Schneehühner auf der Suche nach Futter aus ihrem Versteck und passierten die weisse Schneefläche. Hier wird nochmals besonders deutlich, wie gut getarnt diese Tiere wirklich sind.


Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/2500 sec | f/6.3 | ISO 500 | 600 mm; 1/640 sec | f/25 | ISO 1600 | 215 mm
Schlussendlich zogen sich die Schneehühner wieder in ihr Versteck zurück. Diesmal liessen sie sich bei einem verschneiten Tännchen nieder.
An einem weiteren Tag, diesmal nahe dem Winterende, war ich erneut auf der Suche nach den Schneehühnern. Dieses Mal war es jedoch nicht so sehr sonnig, das Licht war angenehm diffus. Oben auf dem Berg angekommen, begegnete ich gleich mehreren Wintersportlern, die Speedriding betrieben. Bei dieser Sportart fährt man mit Skiern den Hang hinunter und nutzt gleichzeitig einen kleinen Gleitschirm. Kreuz und quer waren ihre Spuren im Schnee zu sehen, und irgendwie taten mir die Schneehühner leid. Kurz hatte ich Bedenken, weil die Sportler sie möglicherweise weit vertrieben haben könnten.


Diese Bilder veranschaulichen gut, wie schwierig es wirklich ist, die Schneehühner im Schnee zu entdecken. Bei genauem Hinsehen kann man eines rechts unter der Lärche ausmachen.
Doch als ich durch meinen Feldstecher auf dieselben Bäumchen wie beim letzten Mal spähte, konnte ich tatsächlich beide Schneehühner dort vorfinden. Ich war überglücklich, sie wiedergefunden zu haben. Vom Moment an, als ich die Schneehühner entdeckte, zog ich meine laut knarrenden Schneeschuhe aus und näherte mich stattdessen mit meinen Winterschuhen. In sicherer Entfernung legte ich mich erneut in den Schnee und wartete, bis sie den Schutz der Lärche verliessen.

weibliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/3200 sec | f/6.3 | ISO 1000 | 600 mm
Es dauerte nicht lange, bis sich eines der Schneehühner auf Nahrungssuche durch den Schnee begab.


Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/2500 sec | f/6.3 | ISO 500 | 600 mm; 1/640 sec | f/25 | ISO 1600 | 215 mm
Als die Schneehühner mich entdeckten, begaben sie sich jedoch wieder in die Nähe der Lärche. Damit sich dies nicht wiederholte, beschloss ich, mich von nun an noch leiser zu verhalten – was im tiefen Schnee allerdings einfacher gesagt als getan ist.


Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/2000 sec | f/6.3 | ISO 800 | 565 mm; 1/2000 sec | f/6.3 | ISO 1000 | 600 mm
Mein Plan ging auf, und das Männchen machte sich auf zur Futtersuche.


Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/1600 sec | f/6.3 | ISO 1250 | 385 mm; 1/2000 sec | f/6.3 | ISO 1000 | 600 mm
Ich blieb an Ort und Stelle und folgte dem Schneehuhn bewusst nicht – aus Respekt und weil ich die Tiere möglichst wenig stören wollte. Bald jedoch verlor ich die Schneehühner aus den Augen. Schliesslich fand ich sie wieder an einem länglichen Geländerücken mit aperen Stellen, wo sie nach Futter suchten. Schneehühner ernähren sich im Winter vor allem von Knospen, Trieben und Blättern kleiner Sträucher wie Weiden und Heidelbeeren. Im Bild oben links sind beide Schneehühner zu sehen. Hast du sie auch erkannt?

männliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/1600 sec | f/6.3 | ISO 1250 | 600 mm
Nach einer Weile entschloss ich mich, mich ebenfalls in Richtung des Geländerückens zu begeben. Dort angekommen stand ich plötzlich wie aus dem Nichts Auge in Auge mit dem Männchen. Sein Kopf ragte gerade noch aus dem Schnee, und es entstand dieses minimalistische Bild.

männliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/2000 sec | f/6.3 | ISO 800 | 600 mm
Als ich mich ein Stück höher den Hang hinaufbewegte, konnte ich nun auch den kugeligen Oberkörper des Schneehuhns aufnehmen.


Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/1250 sec | f/6.3 | ISO 2000 | 600 mm; 1/1250 sec | f/6.3 | ISO 1600 | 600 mm
Unweit entfernt, unten im trockenen Gras, befand sich ebenfalls das Weibchen. In solchen Momenten müssen die Vögel besonders vor Fressfeinden auf der Hut sein, da ihre im Schnee perfekte Tarnung hier nutzlos ist.

männliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/2000 sec | f/6.3 | ISO 800 | 600 mm
Mittlerweile war ich schon mehr als vier Stunden im Schnee unterwegs, und es begann zu dämmern. Doch die Schneehühner faszinierten mich so sehr, dass mir die Kälte nichts anhaben konnte. Oft frage ich mich, was für Überlebenskünstler Tiere wie die Schneehühner sein müssen, um in solch kalten Bedingungen überhaupt überleben zu können.

weibliches Alpenschneehuhn (Lagopus muta) // 1/1600 sec | f/6.3 | ISO 1600 | 600 mm
Bald darauf machte ich mich wieder auf den Weg ins Tal, während es allmählich dunkel wurde. Mit so vielen erfolgreichen Bildern hätte ich an diesem Abend definitiv nicht gerechnet. Auch in Zukunft würde ich mich freuen, weitere Begegnungen mit den Schneehühnern in den Schweizer Bergen erleben zu dürfen.



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