Verschlusszeit
Du kennst das vielleicht. Du drückst den Auslöser, der Moment war genau richtig, aber später auf dem Foto sieht es irgendwie nicht so aus wie in echt. Vielleicht ist das Bild verwackelt oder die Bewegung wirkt nicht so, wie du sie erlebt hast. In solchen Fällen spielt die Verschlusszeit eine grosse Rolle.
Bewegung sichtbar machen oder einfrieren
Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange die Kamera das Licht aufnimmt. Je nachdem, wie kurz oder lang dieser Moment dauert, verändert sich auch die Wirkung von Bewegung im Bild. Wenn du etwas Schnelles fotografierst und eine sehr kurze Zeit einstellst, kannst du die Bewegung ganz klar festhalten. Ein springender Hund oder ein Radfahrer in Fahrt wirkt dann wie eingefroren.
Wählst du stattdessen eine längere Verschlusszeit, wird die Bewegung sichtbar. Es entstehen weiche Spuren oder verschwommene Flächen, je nachdem, was sich bewegt. Wasser sieht dann glatt und fliessend aus, Menschen, die durchs Bild laufen, wirken wie durchscheinende Schatten. Das kann sehr ruhig und stimmungsvoll aussehen, wenn du es gezielt einsetzt. [1] [2]

Mitzieher eines fahrenden Autos
f/13 | 1/60 sek | ISO 400 | 45 mm
NIKON D7000 | AF-S DX NIKKOR 18-105mm f/3.5-5.6G ED VR
(Fotokurs Jämtlands Gymnasium Wargentin)

Verwacklungsunschärfe einer Verbotstafel
f/11 | 1/10 sek | ISO 200 | 28 mm
NIKON D7000 | AF-S DX NIKKOR 18-105mm f/3.5-5.6G ED VR
(Fotokurs Jämtlands Gymnasium Wargentin)
Welche Zeiten passen zu welchem Motiv
Du musst dir nicht alles merken, aber ein paar Richtwerte helfen dir am Anfang. Wenn sich dein Motiv bewegt und du willst es scharf festhalten, brauchst du eher eine kurze Zeit. Bei etwas Schnellem, wie einem laufenden Kind oder einem Radfahrer, kann das eine Tausendstel oder Fünfhundertstel Sekunde sein. Für langsamere Bewegungen reichen oft auch eine Zweihundertstel oder Hundertstel Sekunde.
Wenn du ruhigere Motive fotografierst oder bewusst Bewegung zeigen willst, kannst du die Zeit verlängern. Für weiches Wasser oder ziehende Wolken brauchst du mehrere Sekunden. Dann wird das Bild automatisch ruhiger und bekommt mehr Atmosphäre. [3]

schnelle Bewegung und Wassertropfen eingefroren mit kurzer Verschlusszeit
f/6.3 | 1/800 sek | ISO 200 | 590 mm
Sony a7 IV | Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS
| Motiv / Bewegung | Empfohlene Verschlusszeit | Wirkung im Bild |
| Vogel im Flug | 1/1000 – 1/4000 Sekunde | Flügelbewegung eingefroren, scharf |
| Laufendes Kind | 1/500 – 1/1000 Sekunde | Bewegung eingefroren, scharf |
| Radfahrer | 1/500 – 1/1000 Sekunde | Bewegung eingefroren, scharf |
| Langsam gehende Person | 1/100 – 1/200 Sekunde | Scharf, leichte Bewegungsdynamik möglich |
| Ruhiges Motiv (z. B. Landschaft) | 1/60 – 1/125 Sekunde | Scharf bei ruhiger Hand oder Stativ |
| Mitzieher (fahrendes Auto) | 1/30 – 1/60 Sekunde | Hintergrund verwischt, Motiv scharf |
| Fliessendes Wasser (weich) | 1 – 5 Sekunden | Seidige Wasserstruktur |
| Ziehende Wolken | 5 – 30 Sekunden oder länger | Weiche, fliessende Wolkenbewegung |
Die in der Tabelle genannten Werte sind nur Richtwerte und können je nach verwendetem Objektiv stark variieren. Bei Teleobjektiven verwackelt man schneller, weil jede kleine Handbewegung stärker sichtbar wird. Als Faustregel gilt, dass die Verschlusszeit mindestens dem Kehrwert der Brennweite entsprechen sollte – bei 600 Millimetern also mindestens 1/600 Sekunde oder kürzer. Bei Makroaufnahmen ist man sehr nah am Motiv, wodurch selbst kleinste Bewegungen sofort auffallen. Deshalb benötigt man oft eine noch kürzere Verschlusszeit. Ein Bildstabilisator kann helfen, Verwackeln zu reduzieren, ersetzt jedoch keine kurze Verschlusszeit, wenn sich das Motiv bewegt. Für schnelle Tiere wie Vögel im Flug braucht man häufig 1/2000 bis 1/4000 Sekunde, um die Bewegung einzufrieren.
So vermeidest du verwackelte Bilder
Ein häufiger Fehler am Anfang ist, dass man zu lange belichtet, ohne es zu merken. Schon bei einer Dreissigstel Sekunde kann ein Foto verwackeln, wenn du die Kamera in der Hand hältst. Die Folge ist, dass nicht nur das Motiv unscharf wird, sondern das ganze Bild leicht verschwommen wirkt. Das passiert schneller, als man denkt.
Wenn du nicht gerade mit einem Stativ arbeitest, ist eine grobe Faustregel ganz hilfreich. Versuche, nicht unter dem Wert deiner Brennweite zu liegen. Fotografierst du mit fünfzig Millimetern, dann solltest du mindestens eine Fünfzigstel Sekunde einstellen, lieber noch etwas kürzer. Natürlich hängt das auch davon ab, wie ruhig du selbst die Kamera halten kannst. [4]

Polarlichter mit verwischten Sternen durch Windstoss trotz Stativ
f/2.8 | 5.0 sek | ISO 800 | 105 mm
Sony a7 IV | Sigma 105/2.8 DG DN Macro Art
Langzeitbelichtung
Wenn du mit sehr langen Zeiten arbeitest, kannst du ganz besondere Stimmungen einfangen. Zum Beispiel bei Nacht oder in der Dämmerung. Sterne erscheinen als feine Striche, Autos hinterlassen Lichtstreifen, Wasser wirkt fast wie gemalt. Für solche Fotos brauchst du allerdings ein Stativ oder eine feste Unterlage, weil jede noch so kleine Bewegung im Bild sichtbar wird.
Gerade bei Langzeitbelichtungen lohnt es sich, ein bisschen zu experimentieren. Schau dir ruhig an, wie sich die Stimmung verändert, wenn du eine Szene nicht nur eine Sekunde, sondern vielleicht fünf oder sogar zehn Sekunden belichtest. Du wirst merken, dass das Bild ganz anders wirkt. [5]

10-Sekunden-Aufnahme des Nachthimmels, für Sternspuren wären mehrere Minuten nötig
f/2.8 | 10.0 sek | ISO 4000 | 28 mm
Sony a7 IV | Tamron AF 28-200mm f/2.8-5.6 Di III RXD
Weiterführende Ressourcen
Apalapse. (2017b, July 11). Camera Basics – Shutter speed [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=7R9ZTxoTOSk
12 Quellen
- 3 goldene Regeln um Bewegung auf Fotos einzufrieren › pa-photo. (n.d.). https://pa-photo.de/bewegung-einfrieren/
- Ehrat, J. (2024, October 1). news-464391. DigitalPHOTO. https://www.digitalphoto.de/ratgeber/belichtungszeit-bewegung-einfrieren-oder-weichzeichnen.html
- Eder, N., & Eder, N. (2024, April 30). Richtwerte Verschlusszeiten | Norbert Eder Photography. Norbert Eder Photography. https://norberteder.photography/richtwerte-verschlusszeiten/
- Zangl, C. (2023, August 5). Verwackelte Bilder vermeiden. Digitipps Fotografie. https://www.digitipps.ch/fotokurs/verwackelte-bilder-vermeiden/?cn-reloaded=1
- Sophia. (2024, February 19). Langzeitbelichtung | Die beste Anleitung für Foto-Anfänger. Fotoblog – Fotografie Tipps und Tutorials. https://www.pixolum.com/blog/fotografie/langzeitbelichtung


